Die Indikatoren wurden in einem umfangreichen Testprozess entwickelt.

Zunächst wurde aus der einschlägigen arbeitswissenschaftlichen Literatur eine Liste von insgesamt 70 kurzzyklisch variierenden Indikatoren für Belastungen, Ressourcen, Empfinden und Beschwerden kondensiert. Diese Liste wurde abgeglichen mit eigenen Items aus Mitarbeiterbefragungen. Zu diesen Items lagen jeweils statistische Auswertungen hinsichtlich der Indikatorgüte über z.T. mehrere Tausend Probanden vor.

Parallel wurde ein einfaches Modell der wichtigsten Indikatoren in Zusammenarbeit mit Experten aus Praxis und Wissenschaft entworfen: Vertreter/-innen aus der Unternehmenspraxis verschiedener Branchen, von Verbänden und Gewerkschaften, Sozialwissenschaftler, Psychologen, Arbeitswissenschaftler, Mediziner.

Das Modell stellt sich wie folgt da:

  1. Wir unterscheiden zwischen Belastungen und Ressourcen als Inputvariablen und Empfinden und Beschwerden als Resultanten.
  2. Belastungen sind negativ, Ressourcen positiv für das Wohlbefinden.
  3. Ein Indikator kann dabei je nach Ausprägung Belastung oder Ressource sein: Gute Führung ist eine Ressource, schlechte Führung eine Belastung.
  4. Als originäre Belastungen in der Arbeit sind die Arbeitsleistung (Schwere mal Menge pro Zeiteinheit) und die Organisation der Arbeit (Arbeitsplatz, -system, -gruppe usw.) zu sehen.
  5. Das soziale Umfeld (Führungskraft, Kollegen, Kultur der Organisation, Kunden) ist je nach Ausprägung starke Belastung oder starke Ressource.
  6. Das Privatleben (positive soziale Bindungen, Belastungen durch Kinder oder Pflege usw.) ist ebenfalls Belastung und Ressource zugleich.
  7. Alle Belastungen und Ressourcen aus allen Lebensbereichen wirken auf das Empfinden der Probanden. Eine ausgleichende Funktion nehmen Regenerationsmaßnahmen ein, z.B. Schlaf, Entspannung, Bewegung.
  8. Wichtigste Zielgrößen sind Stressempfinden sowie Arbeits- und Lebenszufriedenheit.
  9. In der Kurzfristperspektive sind psychische Zustände wie Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit und physische wie Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen Warnindikatoren.
  10. In der Langfristperspektive entstehen psychische und physische Erschöpfungszustände und manifeste Krankheitsbilder.

Für die Testphase wurden gemeinsam mit Anwendern mehrere verschiedene Sets von Items für unterschiedliche Anwendungskontexte ausgewählt und mit unterschiedlichen Probandenzahlen getestet. Die Teilnahme an der Erhebung war ebenso freiwillig wie die Teilnahme am Coaching. Insgesamt wurden ca. 100 Datensätze rückgesendet.

Die Auswahl der finalen Items erfolgte auf der Basis einer statistischen Überprüfung der Indikatoren sowie der umfänglichen Abdeckung des mit den Experten entwickelten Wirkungsmodells. Folgende Indikatoren wurden ausgewählt.

 

Sie stellen die „stärksten“ Indikatoren da und bilden das Modell von Belastung/Ressourcen und Empfinden/Beschwerden vollständig und mit der geringstmöglichen Indikatorenanzahl ab. Dabei werden selbstverständlich wichtige Items ausgeblendet, die vielleicht im Einzelfall die zentrale Belastung darstellen: bei Arbeitsplätzen im Kühlhaus sind Klimafaktoren und die körperliche Schwere der Arbeit sicherlich erheblich wichtiger als Kollegen oder Kunden. Das wird aber bewusst in Kauf genommen, um die App schlank und einfach zu halten. Wir konzentrieren uns auf Indikatoren, die bei den meisten Arbeitsplätzen wichtig und zentral sind.

Der Modellversuch zeigte zudem, dass die Arbeit mit ausformulierten Fragen zur Erhebung nicht nötig war: Sowohl die Probanden als auch die Coaches verwendeten in der Diskussion nur die „Konzeptbegriffe“, also Zeitdruck, Organisation etc., nicht aber die konkreten Fragen (Wie hoch war heute Ihr Zeitdruck?). Daher wurde auch in der Erhebung auf die Formulierung von Fragen verzichtet. Wir gehen davon aus, dass die verwendeten Indikatoren auch so verständlich sind und keiner Definition bedürfen. Sollte dies doch der Fall sein, so stehen auf der Website entsprechende Erklärungen bereit.

Auf der individuellen Ebene ist es zudem gleichgültig, wie der Proband das Item interpretiert, weil er es im Zeitverlauf immer gleich interpretieren wird. Ob er also unter Organisation die Organisation des Unternehmens meint oder seine Selbstorganisation, ist für die Auswertung einerlei. Im Gegenteil zwingt eine stärkere Lenkung der Iteminterpretation (z.B. durch Definitionen) den Probanden dazu, Tatbestände zu beantworten, die ihn nicht interessieren oder die er nicht beurteilen kann. Dies wird hier vermieden.