DOSIMIRROR wirkt auf den ersten Blick sehr einfach und stark reduziert. Zu einen gibt es wahrscheinlich Hunderte von Indikatoren, die eigentlich relevant wären. Allein um das Führungsverhalten eines Vorgesetzten umfassend zu beschreiben, müsste man aus wissenschaftlicher Sicht mehrere Dutzend Items heranziehen. Und DOSIMIRROR verwendet ja nur ein Dutzend, um die gesamte Arbeits- und Lebenssituation abzubilden.

Auch verzichten wir in DOSIMIRROR auf die Beschreibung der stabilen Faktoren in Arbeit und Privatleben: Alter, Anzahl der Kinder, Arbeitszeiten usw. Eigentlich hat dies ja erheblichen Einfluss auf das Stressempfinden. Und wir verzichten auch darauf, ganz genau zu beschreiben, was denn unter „Organisation“ oder „Regeneration“ zu verstehen ist und was die Smileys in der Antwortskala denn genau bedeuten sollen.

Dies haben wir ganz bewusst getan.

Wir haben bei der Entwicklung von DOSIMIRROR mit einem sehr komplexen Modell angefangen, aber festgestellt, dass es nicht nur wenig praktikabel war (und dem User überhaupt keinen Spaß machte), sondern auch Daten lieferte, die so komplex waren, dass sie auch von Experten kaum noch interpretierbar waren. Einige Beispiele:

  • Eingabe: Wenn man pro Eingabe 5 sec benötigt, dann bedeutet das bei dem aktuellen DOSIMIRROR mit seinen 12 Items genau eine Minute Anwendungszeit pro Tag. Bei einer Eingabedauer von 10 sec (z.B. durch präzisere Fragen oder differenziertere Antwortskalen) wären es zwei Minuten. Bei 24 Items dann schon vier Minuten, bei 36 sechs usw. Wir haben in Tests festgestellt, dass eine Minute pro Tag akzeptiert wird. Alles darüber hinaus ist zuviel für die User und führt in kürzester Zeit zum Abbruch.
  • Auswertung: Wenn man DOSIMIRROR nur vier Wochen anwendet, entstehen ca. 30 Datensätze (einer pro Tag), die in 12/24/36 etc. Kurvendiagrammen dargestellt werden, je nach Anzahl der Items. Hinzu kommen Korrelationen der Items: 121, 552 oder gar 1.260 Werte. Selbst wenn man nur einen Bruchteil dieser Auswertungen tatsächlich zur Interpretation heranzieht, sind dies Informationsmengen, die auch ein geübter Coach nicht mehr im Zusammenhang interpretieren kann, geschweige denn ein User selbst.

Warum aber soll man Daten erheben (und die User damit belasten), wenn man nachher ohnehin nicht in der Lage ist, diese Daten auszuwerten und zu interpretieren? Wir haben daher versucht, DOSIMIRROR so einfach wie möglich zu gestalten. Hierzu haben wir mehrere Feldversuche mit insgesamt ca. 100 Nutzern durchgeführt, die verschiedene Versionen des Systems über mehrere Wochen getestet haben. Ergebnis waren folgende Maßnahmen zur Vereinfachung:

  • Reduktion auf die im Feldversuch besten Indikatoren (hohe Variabilität, häufige Korrelation, theoretischer Erklärungswert, Plausibilität)
  • Definition von abhängigen und unabhängigen Variablen und damit Reduktion der Anzahl der zu berechnenden Korrelationen (40 statt 121).
  • Verwendung des Konzeptbegriffs („Zeitdruck“) statt einer ausformulierten Frage („Wie hoch war heute ihr Zeitdruck?“)
  • Verwendung einer Smiley-Skala von „schlecht“ nach „gut“ statt einer formalen Antwortskala („trifft zu bis trifft nicht zu“ oder „hoch bis gering“).

Innerhalb des Systems DOSIMIRROR werden also nur die wichtigsten Daten erhoben, d.h. die Daten, die dafür geeignet sind, „die richtige Spur aufzunehmen“. Die anderen Fragen (z.B. nach den Arbeitszeiten oder der Belastung durch die Familienarbeit) können dann vom Coach im Rahmen der Interpretation der Ergebnisse gestellt werden, also dann, wenn es wirklich erforderlich ist, um die Zusammenhänge zu klären, nicht „auf Vorrat“.